
Foto: Thomas Neumann, Berlin |
Kurt Schwitters, einer der bekanntesten und zugleich umstrittensten Vertreter des Dadaismus, hinterließ ein umfangreiches Werk als Lyriker und Bildender Künstler (Merzbilder, Collagen u. a.). Eines seiner bekanntesten Werke, die Sonate in Urlauten, wurde von Schwitters zwischen 1923 und 1932 erfolgreich aufgeführt und ständig bearbeitet.
→ www.kurt-schwitters.org - Seite zu Kurt Schwitters mit dem kompletten Text der Ursonate
Seit 2000 widmet sich Alexander Voigt, Solofagottist des Rundfunk-Sinfonieorchesters Berlin, diesem Standardwerk des Dadaismus. Schon die umjubelte Premiere der Ursonate im Konzerthaus Berlin bewies, dass das in die Jahre gekommene avantgardistische Material nicht an gebräuchliche altbackene Mittel gebunden bleiben muss.
In seinen Aufführungen unter der Regie des Musikers Hans-Eckardt Wenzel interpretiert der Akteur Alexander Voigt das berühmteste Dada-Gedicht und entlockt der Schwitterschen Ursonate ungeahnte Musikalität. Mit dabei sind zum Hervorzaubern der Töne: Fagott (1), Tenorposaune (2), flexibles Abwasserrohr für Spülbecken (3), PVC-Verbindungsstück (4), Gitarrenplektrum extrahart (5), Notenständer (6), Fußboden (7), Stimmbänder (8), Rachenraum (9), Stirnbereich (10), Wangenhaut (11) und Nase (12).
Alexander Voigt darüber, wie er zur Ursonatenaufführung fand (Quelle: Booklet der 2004 erschienenen CD):
"Kurt Schwitters Ursonate gehört seit langem zu meinen geheimen Favoriten. Ich hörte erste Sprachfetzen dieses Werkes vom Computer meines Bruders und war sofort vom Gedanken besessen, dieses Werk aufzuführen. Für meinen Plan suchte ich nun Komplizen. Ich studierte Fagott und errang einige Preise, damit man mich ernst nehmen würde. Nahm die Stelle des Solofagottisten im Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin an. Verbesserte meine Aussprache (um meinen Sondershausener Slang zu unterdrücken) mit Hilfe von Reiner Putzger. Übte Posaune unter den strengen Blicken von Birgit Eistert und überredete schließlich bei einigen Flaschen Roten Weines einen Bekannten, die Regie zu übernehmen. Ich glaube, dass in keinem Werk, nicht in der Lyrik und nicht in der Musik, die Gefühlswelt eines Fagottisten besser beschrieben ist, denn in dieser Sonate."
Bevor Alexander Voigt in seinem Soloprogramm die Ursonate - angereichert mit modernen Rhythmuserfahrungen als auch seriösen musikalischen Traditionen - zu neuem Leben erweckt, bringt er Malcoms Arnold Fantasie für Fagott op. 86 und den Monolog für Fagott von Isang Yun zu Gehör. Dem Musiker gelingt es, diese Musikalität in das oft als pures Textmaterial begriffene Hauptwerk des späten Dadaisten Schwitters hervorragend einzufügen.
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